Warum haben Kompressionsstrümpfe keine Schuhgrösse?

Von | 9. März 2026

Aktualisiert 9. März 2026

Schuhgrösse bei Kompressionsstrümpfen

Muss man bei Kompressionsstrümpfen die Schuhgrösse wählen? Die Antwort lautet: Ja und Nein.

Wer zum ersten Mal medizinische Kompressionsstrümpfe bestellt, sucht auf der Verpackung von Top-Marken wie Sigvaris, Venosan oder Bauerfeind oft vergeblich nach einer Angabe wie „Grösse 42“. Stattdessen finden sich kryptische Bezeichnungen wie Grösse M plus und short.

In diesem Beitrag klären wir das Geheimnis des „Einheitsfusses“ und geben wertvolle Tipps, was Sie tun können, wenn der Strumpf an den Zehen drückt.

Die Logik hinter dem medizinischen Mass-System

Anders als bei herkömmlichen Socken steht bei Kompressionsstrümpfen die medizinische Wirkung am Bein im Vordergrund. Der Druckverlauf ist nach dem RAL-Gütesiegel definiert: Der stärkste Druck herrscht an der Fessel und nimmt nach oben hin ab.

Im Gegensatz zu Mode-, Sport- und Alltags-Socken werden medizinische Kompressionsstrümpfe nach den individuellen Umfangsmassen Ihres Beines (Fessel, Wade, Oberschenkel) und der Beinlänge definiert. Das Fussteil ist dabei so konstruiert, dass es eine enorme Dehnungsreserve besitzt, insbesondere in der Länge.

Das Fussteil muss vor allem eines sein: extrem elastisch. Hersteller stricken das Fussteil so, dass es eine enorme Dehnungsreserve hat. In der Regel deckt ein Standardstrumpf mühelos den Bereich von Schuhgrösse 36 bis 45 ab. Da sich das Material sowohl in die Länge als auch in die Breite dehnt, passt es sich der individuellen Fussform an – egal ob schmaler Fuss oder hoher Rist.

Nun nochmals die Frage: Muss die Schuhgrösse bei Kompressionsstrümpfen gewählt werden?

Das „Ja“ – Wann die Schuhgrösse wichtig ist:

Es gibt Modelle, bei denen die Schuhgrösse explizit angegeben wird. Das ist meistens bei Sportkompressionsstrümpfen oder speziellen Herrenmodellen (z.B. Sigvaris Active Masculine) der Fall. Hier ist das Fussteil anatomisch genauer auf grosse Männerfüsse zugeschnitten. Auch bei Massanfertigungen wird die Fusslänge zentimetergenau berücksichtigt.

Fussteil der Sigvaris Active Masculine - extragross für Männerfüsse
Das Fussteil der Sigvaris Active Masculine ist nicht nur hochelastisch, sondern auch extra-gross und anatomisch geformt. So finden auch grosse Füsse (Schuhgrösse 46+) bequem Platz. Lesen Sie auch den Testbericht „Sigvaris Active Masculine“.

Das „Nein“ – Warum sie meistens nebensächlich ist:

Bei den klassischen Modellen wie dem Venosan 4002 oder dem Sigvaris Comfortable wird eine hochelastische Zehenbox und Pendelferse gestrickt. Dank modernster Hightech-Fasern ist dieses Fussteil so elastisch, dass es einen Bereich von Schuhgrösse 36 bis 45 problemlos abdeckt. Die Kompression am Bein bleibt davon unberührt.

„Der Strumpf ist zu klein!“ – Warum das Gefühl oft täuscht

Wir hören oft von Kunden mit eigentlich durchschnittlichen Füssen (z. B. Schuhgrösse 41 oder 42), dass der Strumpf an den Zehen einengt. In 90 % der Fälle liegt das jedoch nicht an einem zu kleinen Strumpf, sondern an einem dieser drei Faktoren:

Die Ferse sitzt nicht am Platz

Wenn die eingestrickte Ferse des Strumpfes nur zwei Zentimeter zu weit Richtung Wade sitzt, fehlt dieses Material vorne an den Zehen. Der Strumpf „zieht“ dann permanent an der Fussspitze.

  • Die Lösung: Positionieren Sie die Ferse beim Anziehen exakt. Nutzen Sie dafür am besten Gummihandschuhe – nur so können Sie das Material effektiv in die richtige Position massieren.

Anatomische Besonderheiten („Der kaputte Fuss“)

Ein Hallux Valgus, Hammerzehen oder ein empfindlicher Vorfuss reagieren sensibel auf den medizinischen Kompressionsdruck. Was gesundes Gewebe kaum merkt, fühlt sich bei einer Fehlstellung schnell wie „zu klein“ an.

  • Die Lösung: Dehnen Sie das Fussteil vor dem ersten Anziehen mit den Händen kräftig vor. Das lockert die Maschen etwas auf, ohne die Kompression am Bein zu beeinträchtigen. Wenn die Zehenbox richtig sitzt, packen Sie diese (mit Gummihandschuhen) von beiden Seiten und ziehen sie nach vorne und auseinander. Das gibt den Zehen zusätzlich „Luft“.

Zu viel Material am Spann

Wird der Strumpf beim Anziehen einfach nur hochgezogen, staut sich oft zu viel Material am Rist. Das drückt auf die Sehnen und erzeugt ein Engegefühl.

Zehenbox der VenoTrain business
Die VenoTrain business verfügen ebenfalls über ein relativ grosses Zehenfach.
Ferse der VenoTrain business
Auch die Ferse bietet genügend Platz für Männerfüsse.

Wann ist ein Strumpf wirklich zu klein?

Es gibt Ausnahmen, bei denen das Standard-Fussteil an seine Grenzen stösst:

  • Extrem kleine Füsse (unter Gr. 36): Hier kann das Material Falten schlagen. In diesem Fall gibt es spezielle Modelle mit „kurzem Fuss“.
  • Extrem grosse Füsse (über Gr. 46): Hier kann der Zug auf die Zehen tatsächlich zu stark werden.

Unser Experten-Tipp: Wenn Sie unter empfindlichen Zehen leiden oder sehr grosse Füsse haben, wählen Sie Modelle mit offener Fussspitze. Hier endet das Gestrick hinter den Zehengrundgelenken – die Zehen haben volle Freiheit, während die Schwellungen am Fussrücken und Knöchel optimal kontrolliert werden.

Fazit

Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn keine Schuhgrösse auf Ihrem Venosan 4002 oder Sigvaris Comfortable steht. Vertrauen Sie auf die enorme Elastizität der Hightech-Fasern. Mit der richtigen Anziehtechnik (Handschuhe!) und einer exakt sitzenden Ferse gehört das Engegefühl an den Zehen der Vergangenheit an.

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