Krampfadern Therapiekonzept (Teil 2)

Von | 22. Oktober 2026
Headerbild Frau - Krampfadern behandeln

Warum eine gute Varizentherapie oft aus mehreren Bausteinen besteht

In der Praxis ist die Behandlung von Krampfadern häufig kein Entweder-oder.

Nehmen wir als Beispiel eine Patientin mit einer undichten Stammvene und mehreren deutlich sichtbaren Seitenästen. Der Duplex-Ultraschall zeigt zunächst, woher der krankhafte Rückfluss kommt. Die Stammvene könnte anschliessend mit Laser oder Radiofrequenz verschlossen werden. Verbleibende Seitenäste können je nach Befund gleichzeitig oder später beispielsweise durch Schaumsklerosierung oder Miniphlebektomie behandelt werden. Nach dem Eingriff kann für eine bestimmte Zeit Kompression hinzukommen. Kombinationen verschiedener Verfahren gehören zum modernen, individuell angepassten Therapiekonzept.

Ein anderes Beispiel sind Besenreiser. Sind sie tatsächlich nur oberflächlich und besteht dahinter kein relevanter venöser Rückfluss, kann eine Flüssigsklerosierung die passende Behandlung sein. Besteht jedoch gleichzeitig eine grössere insuffiziente Vene, sollte zunächst geklärt werden, ob die sichtbaren Äderchen lediglich das äussere Zeichen eines tiefer liegenden Problems sind. Genau deshalb kann auch vor scheinbar rein kosmetischen Behandlungen eine venöse Abklärung sinnvoll sein.

Auch nach bereits erfolgter Behandlung können später wieder Krampfadern auftreten. Das bedeutet nicht zwingend, dass die ursprüngliche Therapie „nicht funktioniert“ hat. Die grundsätzliche Neigung zu Venenerweiterungen bleibt bestehen, und im Laufe der Jahre können andere Venen insuffizient werden. Bei einem Rezidiv sollte deshalb erneut per Duplex-Ultraschall geklärt werden, wo der Rückfluss liegt, bevor einfach dieselbe Behandlung wiederholt wird.

Schematische medizinische Illustration der Beine zur Krampfaderbehandlung. Dargestellt sind verschiedene Therapieformen wie Laser- und Radiofrequenztherapie, Schaumsklerosierung, Flüssigsklerosierung bei Besenreisern und Kompressionstherapie anhand von Symbolen und Verbindungslinien.

Besonders wichtig wird das Zusammenspiel bei einer fortgeschrittenen chronischen Venenerkrankung mit Hautveränderungen oder einem venösen Ulkus. Hier ist die Kompression ein zentraler Bestandteil der Behandlung; gleichzeitig kann die gezielte Therapie eines oberflächlichen venösen Rückflusses sinnvoll sein.

Oder einfach zusammengefasst:

Der Eingriff behandelt den krankhaften Rückfluss. Die Kompression unterstützt das Bein. Und die Bewegung bringt die Muskelpumpe ins Spiel.

Diese drei Dinge haben unterschiedliche Aufgaben – und können sich sinnvoll ergänzen.

Wann sollte man Krampfadern ärztlich abklären lassen?

Nicht jede sichtbare Vene ist ein Notfall. Krampfadern sollten aber nicht automatisch als Schönheitsproblem abgetan werden.

Eine venenspezifische Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn Sie Schmerzen, schwere Beine, regelmässige Schwellungen, Juckreiz oder andere anhaltende Beschwerden haben oder wenn sich die Haut am Unterschenkel sichtbar verändert. Auch bei wiederkehrenden Entzündungen beziehungsweise schmerzhaft verhärteten oberflächlichen Venen, einem offenen oder abgeheilten venösen Beingeschwür und nach einer Blutung aus einer Krampfader sollte eine ärztliche Beurteilung erfolgen.

Eine blutende Krampfader sollte rasch medizinisch versorgt werden. Auch neu auftretende deutliche Schwellungen oder starke Schmerzen gehören ärztlich abgeklärt, weil hinter solchen Beschwerden nicht nur eine unkomplizierte Varikose stecken muss.

Für die geplante Abklärung ist ein Phlebologe, Angiologe oder Gefässchirurg die passende Anlaufstelle. Im Zentrum steht meist die Duplex-Sonographie: Sie zeigt nicht nur die sichtbaren Krampfadern, sondern macht Blutfluss und Rückfluss in oberflächlichen und tieferen Venen sichtbar. Damit lässt sich die Therapie erheblich gezielter planen. Die Schweizer Fachgesellschaften sehen diese anatomische und funktionelle Beurteilung als wichtigen Bestandteil einer fachgerechten Varizenbehandlung.

Vor dem Termin lohnt es sich übrigens, nicht nur auf das Aussehen der Beine zu achten. Überlegen Sie sich:

Wann treten Beschwerden auf? Werden die Beine abends dicker? Hilft Bewegung oder Hochlagern? Gab es bereits eine Thrombose oder Venenoperation? Tragen Sie Kompressionsstrümpfe?

Solche Informationen helfen dem behandelnden Arzt, das Gesamtbild einzuordnen.

Krampfadern lassen sich heute sehr individuell behandeln

Vor einer Krampfaderbehandlung muss heute niemand automatisch an Krankenhaus, Vollnarkose und wochenlange Ausfallzeit denken.

Laser- und Radiofrequenzverfahren können erkrankte Stammvenen über einen dünnen Katheter verschliessen. Die Sklerosierung eignet sich je nach Technik von feinen Besenreisern bis hin zu grösseren Varizen. Das klassische Stripping bleibt eine bewährte Option, wenn Anatomie oder Befund dafür sprechen. Und medizinische Kompressionsstrümpfe unterstützen den venösen Rückfluss, können Beschwerden und Schwellungen lindern und haben sowohl in der konservativen Behandlung als auch rund um viele Eingriffe ihren festen Platz.

Die wichtigste Erkenntnis ist deshalb diese:

Sie müssen sich nicht selbst zwischen Laser, Verödung und Operation entscheiden.

Der erste Schritt ist viel einfacher: Lassen Sie feststellen, was in Ihren Venen tatsächlich passiert. Nach einer klinischen Untersuchung und dem Duplex-Ultraschall kann gemeinsam entschieden werden, ob zunächst eine Kompressionstherapie genügt, ein Eingriff sinnvoll ist oder mehrere Methoden kombiniert werden sollten.

Und wenn Ihnen medizinische Kompressionsstrümpfe empfohlen wurden, lohnt sich auch hier eine gute Beratung. Kompressionsklasse, Grösse und Modell sollten zum Befund und zu Ihrem Alltag passen – denn der beste Strumpf bringt wenig, wenn er schlecht sitzt, unbequem ist oder nicht angezogen werden kann und deshalb im Schrank bleibt.